Standpunkt: Warum wir meistens keine Pitches mögen

Ein Pitch ist die Bewerbung mehrerer Agenturen oder Kreativer um die Auftragsvergabe durch ein Unternehmen für ein Erscheinungsbild, eine Website, ein Filmkonzept, eine Marketingmaßnahme oder gedruckte Kommunikationsmaßnahmen. Eine prima Idee, wie wir finden.

Wettbewerb verleiht Flügel, um die Kernbotschaft einer Energydrinkmarke zitieren zu dürfen. Das ist im Sport genauso wie im Berufsleben. So ist der Wettbewerb in der Architekturbranche weit verbreitet, die Baubranche erhofft sich durch die Teilnahme an Ausschreibungen neue Aufträge und auch Design- und Werbeagenturen nutzen ihn, um neue Kunden für sich zu gewinnen.

Dass oft nicht die unternehmerische Leistungsfähigkeit sondern das scheinbar günstigste Angebot entscheidet, sorgt zum einen dafür, dass der Berliner Flughafen nicht fertig wird und zum anderen für eine Menge Ärger bei den Mitbewerbern, die in Ausschreibungen das Nachsehen haben. Eines ist klar: Wettbewerb macht Spaß – wenn er fair ist. Weshalb also unsere Zweifel am Pitch? 

Glückwunsch, Sie dürfen teilnehmen!

Die Wettbewerbe, die wir kritisieren, laufen unter ähnlichen Rahmenbedingungen ab: Kreativdienstleister treten in hohem Maße in Vorleistung, ohne dass überhaupt eine angemessene Vergütung oder zumindest eine Aufwandsentschädigung vorgesehen ist. Dabei werden beim Pitch nicht selten umfassende Konzepte und Designleistungen verlangt, deren Umsetzung bereits viele Tage oder Wochen Zeit beanspruchen. Die am Pitch teilnehmende Agentur wird zusätzlich oft im Unklaren darüber gelassen, wieviele und welche Agenturen am Wettbewerb teilnehmen oder wie hoch der Etat ist, um den gekämpft wird.

Auch ist es keine Seltenheit, dass die Kreativen zwar Arbeiten einreichen dürfen, aber keine Möglichkeit haben, ihre eigenen Arbeiten im Rahmen einer Präsentation vorzustellen. Des Weiteren führen manches Mal zweifelhafte Pitch-Regularien dazu, dass die Agentur gewinnt, die 100 Euro günstiger ist, während das bessere Konzept auf der Strecke bleibt. Als letztes, unrühmliches Beispiel sei der Pitch genannt, an dessen Ende sich herausstellt, dass der Sieger schon vorher feststeht und man mit der Veranstaltung nur die Ausschreibungsregularien erfüllen will.

Prinzip Hoffnung generiert gute Ideen für lau

Nebenbei erhält das Unternehmen im oben beschriebenen Fall viele Ideen praktisch zum Nulltarif. Nicht selten werden Dutzende Agenturen mit Pitchunterlagen versorgt und die verlockende Aussicht auf dauerhafte und ertragreiche Geschäftsbeziehungen sorgt für rege Teilnahmebereitschaft. Dass dabei zwangsläufig ein Großteil der eingesetzten Ressourcen verbrannt wird, scheint keine Rolle zu spielen. Das wirtschaftliche Risiko tragen alle – nur nicht der Wettbewerbsveranstalter.

Möglich ist dies nur, wenn große Agenturen quersubventionieren und kleine Pitch-Teams abstellen können, schlecht bezahlte Fachkräfte oder Praktikanten an Pitches arbeiten oder sogar die finanzielle Bauchlandung kleiner Designbüros in Kauf genommen wird. Kleine Dienstleister können zusätzlich kaum kostspielige Rechtswege einleiten, wenn trotz ihrer Niederlage im Wettbewerb die erarbeiteten Ideen und Designansätze weiterverwendet werden.

Geiz ist eben doch nicht geil

Neben den hohen wirtschaftlichen Risiken, die ein Pitchteilnehmer zu tragen hat, trägt die oben beschriebene Verfahrensweise dazu bei, dass kreative Leistung und gutes Design nicht annähernd die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen. Paradoxerweise will aber das beauftragende Unternehmen mit genau dieser Arbeit die eigene Wertschöpfung vorantreiben. Wir glauben, dass es in diesem Spiel zu viele Verlierer gibt und lehnen aus diesem Grund unbezahlte Pitches grundsätzlich ab.